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01.08.2007
Hundert Jahre Schweizerische Nationalbank (1907 2007)
Autor: Johannes Mller

Auszug aus der Publikation Geld.

Kritische Gedanken zum Jubilum

Schauen wir doch kurz 100 Jahre zurck und versuchen, die Motivationen und Denkstrukturen zu ergrnden, welche die Verantwortlichen zum Inhalt der damaligen gesetzlichen Bestimmungen gefhrt haben. Durch das geschaffene Banknotenmonopol musste die ins Leben gerufene Nationalbank einerseits fr die Kaufkraft des Geldes garantieren und andererseits die Liquiditt fr das Bankensystem schaffen. Nur unmissverstndliche Regeln konnten zur Lsung dieser Aufgabe fhren. Konsequenz: Gesetzliche Hrden mussten aufgebaut werden, sozusagen ein moralisches Schutzschild gegen zuknftige Wnsche und gut gemeinte Ausnahmeregelungen, welche die SNB frher oder spter zu einer Versicherungsanstalt umfunktioniert und damit die Verluste von wirtschaftlichem Fehlverhalten grosser Akteure mittels Geldentwertung auf alle andern Wirtschaftteilnehmer abgewlzt htten. Die Idee der Silber- und Golddeckung besticht in mehrfacher Hinsicht: Man setzte auf einer bereits existierende, usserst liquide Weltwhrung und hatte gleichzeitig eine Form von endlichem Geld, welches Naturgesetzen untersteht. Parallel dazu wurden gesetzliche Hrden eingebaut, die klar formulierten, welche Werte von der SNB gegen Zinszahlung belehnt werden sollten und welche nicht. In Art. 15 Abs. 4 des SNB-Gesetzes aus dem Jahre 1905 wird explizit auf ein Verbot der Belehnung von Aktien hingewiesen. Die damalige Geisteshaltung war konsequent: In einem freien Markt unterliegen auch die Aktien dem Naturgesetz von Angebot und Nachfrage; sollten bei steigenden Kursen die Eigner einen Gewinn einfahren knnen, msste bei fallenden Kursen ein Verlust daraus resultieren. Sobald die SNB Aktien als Sicherheiten akzeptiert, wird der freie Markt verzerrt und gleichzeitig verletzt, denn einzelne Wirtschaftteilnehmer werden auf Kosten anderer bevorzugt. Die Kosten der anderen beschrnkt sich nicht nur auf deren Geldentwertung, nein, durch das Schtzen und indirekte Subventionieren eines Kurses wird die SNB zur Partei usserst heikel fr eine Institution, welche im gesamtschweizerischen Interesse handeln sollte.

Beispiel: Wenn ein Unternehmer ein Fnfsternhotel fr 50 Millionen Franken erstellt und in der Folge finanziell scheitert, so mag dies zwar fr ihn und seine Angestellten tragisch sein, aber - und dies ist ganz wichtig: sollte dieses Hotel einem wirklichen Bedrfnis entsprechen, so entsteht eine neue Chance fr einen andern Wirtschaftsteilnehmer, denn dieser kann aus der Konkursmasse das zu teuer errichtete Hotel vielleicht fr nur 10 Millionen kaufen, neue Leute einstellen und erfolgreich weiterwirtschaften. Besteht ein zu geringes Bedrfnis, so hat das Hotel keine wirtschaftliche Berechtigung mehr und wird allenfalls einem neuen Projekt weichen mssen.

Das gleiche Muster muss natrlich auch fr Geschftsbanken gelten: Wenn diese zu viel Kredit aus Gewinnmaximierungsgrnden sprechen, so darf es nicht sein, dass bei einem finanziellen Scheitern derer Kreditkunden die SNB als letzte Sicherheit fr die Geschftsbank eintreten darf. Denn auch hier msste die Allgemeinheit in Form von Geldentwertung die Folgen von Risiken Einzelner, in diesem Fall einer Bank, bezahlen. Wer schtzt dann die Sparer? Wird sich manch einer nun fragen. In letzter Konsequenz msste es auch hier heissen: Die Eigenverantwortung und in keinem Fall die Allgemeinheit. Wie heisst es doch so schn: Durch Schaden wird man klug Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste - Dummheit schtzt vor Strafe nicht oder Gier macht blind.

Die SNB darf also unter keinen Umstnden zur Partei von finanziell angeschlagenen Banken werden; durch die scheinbar harten, aber umso gerechteren Gesetzesvorlagen wird sie zur geachteten Instanz, welche Werte wie Moral und Ethik im Tglichen Geschft hochhalten darf. Indem die SNB einer Geschftsbank, welche die erforderlichen Sicherheiten nicht mehr bieten kann, weitere Kredite verweigert, solidarisiert sie sich mit allen finanziell gesunden Wirtschaftsteilnehmern und untersttzt gleichzeitig die Firmen und Brger, welche die fr eine Gesellschaft berlebenswichtige Eigenverantwortung wahrnehmen knnen. Damit zeigt sie sich nicht nur mitverantwortlich fr die Sicherung des sozialen Friedens, sondern geniesst und verteidigt den Status eines gesellschaftlichen Vorbildes.

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